Desktopfreies Publishing

© Photographee.eu – stock.adobe.com
© Photographee.eu – stock.adobe.com

Desktop Publishing oder kurz DTP, damit war bis vor ein paar Jahren ganz klar das Gestalten am stationären Rechner gemeint. Worauf auch sonst? Zu einer ordentlichen Hardware für den geübten Designer gehörte natürlich ein stattlicher Mac oder Windows-PC, der schnaufend das letzte Quentchen Leistung aus seinen Prozessoren zog, um eine angemessene Arbeitsgeschwindigkeit zu ermöglichen. In den meisten Büros standen noch klobige Röhrenmonitore auf den Schreibtischen, erste TFT-Screens erhielten aufgrund ihres begrenzen Farbumfangs und der niedrigen Auflösung nur langsam Einzug in die Branche.

Viel hat sich seitdem getan. Die Prozessorleistung hat sich mittlerweile vervielfacht, was heute bereits Einsteigern ins Grafikbusiness eindrucksvolle Möglichkeiten bietet. Neben all der Grafikbeschleunigung hat es dank Apple aber auch eine neue Geräteklasse in die Massenmärkte geschafft – Smartphones und Tablets, also mobile Devices mit Touchdisplays.

Deren schnelle Verbreitung und das große Verlangen der Verbraucher nach mobiler Nutzung stellte Interface-Designer vor spannende Herausforderungen. Hier waren ganz neue Schnittstellen nötig, um eine intuitive Bedienung der Geräte zu ermöglichen. Mit fortschreitender Entwicklung entstanden auch erste Apps für Designer, die allerdings eher Spielereien, denn ernst zu nehmende DTP-Lösungen waren. Erst in den letzten Jahren war Grafikern möglich, die ein oder andere App sinnvoll bei ausgesuchten Projekten in ihren Workflow einzubinden. Einige Grafikfilter, Effekte etc. sucht man tatsächlich bei stationären Apps vergeblich. Hier macht sich der umfangreiche Einsatz mobiler Geräte im Fotografiebereich bemerkbar.

Einen deutlichen Schritt nach vorn ging Adobe Anfang 2015 mit der Veröffentlichung von Adobe Comp. Als intuitive Layoutlösung bindet Adobe seine Vorzeige-App logisch in die Creative Cloud ein. Mit dem schlauen Helfer lassen sich bereits unterwegs zum Kunden Layouts entwerfen, die man dann zurück im Büro kinderleicht eins zu eins auf Photoshop oder InDesign übertragen kann, um dort das Motiv zu finalisieren. Dabei ist es sicher kein Zufall, dass Adobe Comp etwa zur gleichen Zeit im App Store angeboten wird, in der Apple die Markteinführung für sein Flaggschiff-Tablet iPad Pro plant. Mit dem riesigen Device hat Apple ein wahres Sahnestückchen für investitionsfreudige Designer erschaffen, mit dem man sich auf die Bürocouch verdrücken kann, während andere an ihre unbequemen Schreibtischstühle gefesselt sind. Spätestens jetzt sind wir im Zeitalter der wirklich ernst zu nehmenden mobilen Gestaltungslösungen angekommen, die für jeden Grafiker zwar ein Mehrfaches seiner bisher gewohnten Ausgaben, aber auch ein Vielfaches an Flexibilität bedeuten.