3D mit Adobe Felix

© mik38 – stock.adobe.com
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Unter Animationsfilm versteht man heute bekanntlich nicht mehr handgezeichnete Meisterwerke wie Schneewittchen, sondern in perfektem HD oder sogar 4K gerenderte computergenerierte Filme mit aufwendig modellierten 3D-Charakteren, -Modellen und lebensecht berechnetem Lichtverhalten. Seit den ersten Schritten von Mickey Mouse hat sich die Motionfilmindustrie rasant entwickelt. Vor allem wurde das durch den technischen Quantensprung bei der Rechnerleistung möglich, der das Szenario komplett computergenerierter Filme wie Toy Story überhaupt vorstellbar werden ließ. Für deren Realisierung brauchte es entsprechend leistungsstarke 3D-Software. Programme wie Maya, Cinema 4D und 3DS Max eroberten schnell die Branche und brachten mit jedem Release neue Funktionen, immer schnellere Renderengines und ausgefeilte Plugin-Schnittstellen. Die hochkomplexe Software erfordert eine lange Einarbeitungszeit, viel Geduld und ein hohes technisches Verständnis für die komplizierten Zusammenhänge bei der Modellierung, Animation und Ausgabe.

Grafikdesigner gingen dabei lange Zeit leer aus. Die Anschaffungskosten für die teure Soft- und Hardware und der Aufwand für die Einarbeitung waren unerschwinglich. Kostenlose Programme wie Blender, das aus einer 3D-Community heraus entstand und stetig ausgebaut wird, sollen einen akzeptablen Lösungansatz bieten. Dennoch muss der Einsteiger hier seine Szene komplett neu aufbauen, die Einstellungen anpassen, die gewünschten Objekte modellieren, das Licht setzen und schließlich alles rendern. Bis heute wagen nur wenige in der Branche diesen Schritt, der jedoch genau aus diesem Grund ein künftiger Auftragsgarant sein kann.

Über die Jahre gab es viele Ansätze verschiedener Entwickler, diese Lücke zwischen 3D- und 2D-Designern zu überbrücken und den Einstieg in das Thema zu vereinfachen. Erstaunt war die Branche über die dezente Zurückhaltung des Kreativsoftware-Giganten Adobe. Man ahnte schon, dass der Konzern aus Kalifornien es nicht bei den 3D-Funktionen in Photoshop belassen würde, sondern hier an einer Standalone-Lösung arbeitete. Auf der diesjährigen Adobe MAX Konferenz in Las Vegas zeigte man dann endlich sein lang gehütetes Baby mit dem Arbeitstitel Felix. Das neue Kind der Familie ersetzt keinen der großen 3D-Boliden, bietet aber einen ganz neuen Ansatz: Über ein einfach gehaltenes Interface kann man ein beliebiges Foto in den Hintergrund der Szene laden. Der Horizont richtet sich auf Wunsch automatisch darauf aus. 3D-Modelle kann man entweder in verschiedenen Formaten importieren oder aus Adobes Fundus an Stockmaterial beziehen, gleiches gilt für die Lichteinstellungen und verschiedenste Materialien, die man einfach per Drag-and-Drop auf das Modell anwenden kann.

Felix' Clou ist die automatische Berechnung des Lichts aus dem geladenen Foto. Erste Tests zeigen beeindruckende Ergebnisse und eine sehr performante Renderengine. Noch befindet sich Felix in der Betaphase, wird von Adobe aber schonmal mit Bitte um Feedback für alle Cloud-Abonnenten zum Download angeboten. Es wird sehr interessant, wie es mit dem neuen Player unter den 3D-Tools weitergeht und welche Features mit den nächsten Updates hinzukommen.