Bock auf Blog?

© Rawpixel.com - stock.adobe.com
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Noch Anfang der 90er war es nur unter unverhältnismäßig viel Aufwand möglich, einer breiten Zielgruppe seine Gedanken zu einem Thema regelmäßig mitzuteilen. Internet-Foren steckten noch in den Kinderschuhen, die Kommunikation im Web war eher noch ein Nerd-Thema.

Heute betreibt mehr als jeder zehnte Web-User ein Blog, in dem er über seine persönlichen Lieblings-Themen postet. Die Bandbreite reicht von Taubenzucht bis Raketenantrieb und wird damit jedem noch so speziellen Geschmack gerecht.

Der Begriff Weblog setzt sich aus Web und Logbuch zusammen und tauchte erstmals 1997 auf der Website des amerikanischen Bloggers Jorn Barger auf. Der Webdesigner Peter Meinatz prägte schließlich daraus 1999 die Kurzform Blog, die sich bis heute etabliert hat. 2005 gab es etwa 50 Mio. Blogs weltweit, 2011 schon 275 Mio. In Deutschland zählt man heute etwa 200.000 aktive Blogs. Sie sind heute keine Nerd-Spinnerei mehr, sondern ernstzunehmende Quellen, aus denen sich abermillionen Menschen täglich ihre News, Trends, Tipps und Produktempfehlungen ziehen.

Bloglovin, eine Multi-Channel-Plattform, die Blogger und Leser verbindet, vergab 2015 im Rahmen der New York Fashion Week zum vierten Mal seine Bloglovin Awards – bei einer glamourösen Preisverleihung, wie man sie bislang nur aus der TV- und Film-Branche kannte. Der Einfluss von Bloggern auf unsere heutige Gesellschaft ist enorm, da die Urheber meistens Privatpersonen sind und die kommerziellen Belange zumindest oberflächlich betrachtet in den Hintergrund treten. Das wirkt überzeugend, der Blogbeitrag ist wie der Tipp eines guten Freundes oder Nachbarn. Nicht selten steckt allerdings mehr dahinter.

Ähnlich wie bei Youtube locken die hohen Reichweiten besonders erfolgreicher Blogs auch Werbungstreibende. Ähnlich wie bei Redaktionen umgarnen mittlerweile viele große Unternehmen die Stars der Blogosphäre mit der scheinbar harmlosen Bitte, ihre Produkte vorzustellen. Oft erhalten Blogger dafür eine entsprechende Entlohnung, können getestete Produkte behalten etc. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen subjektiver Meinungsäußerung, redaktioneller Anmutung und schlichtem Product Placement miteinander. Andererseits wird Bloggern so überhaupt erst ermöglicht, bestimmte Produkte und Leistungen zu testen. Unbedingt angewiesen auf solche Unterstützungen sind z.B. Reiseblogger oder Blogger, die sich mit der Automobilbranche beschäftigen.

Ein eigenes Blog zu starten ist heute so einfach wie nie. Ohne jegliche Vorkenntnisse lässt sich innerhalb weniger Minuten eine ansehnliche Seite einrichten – mittlerweile sogar mit mobilen Devices wie Smartphone oder Tablet. Die wohl bekanntesten Anbieter sind hier u.a. WordPress, Google mit Blogger.com und Tumblr.

Für Unternehmen bieten Blogs einen attraktiven Kommunikationsweg zu ihrer Zielgruppe. Die Kommentarfunktion ist ein direkter Rückkanal, über den sich das Feedback der Leser auswerten lässt. Manche Unternehmen wie IKEA schaffen es so direkt in die Wohnzimmer ihrer Käufer und kreieren auf diese Weise ein unverzichtbares Kundenbindungsinstrument, das auf beiden Seiten einen Mehrwert bringt.